Lief auch schon mal besser

Mittlerweile, am Ende des Tages, muß ich umformulieren:

Es lief noch nie schlechter!

Einen Tag vor der Abreise musste ich doch noch in letzter Minute zum Doc, weil der verschleppte Infekt mit aller Macht wieder die Oberhand gewinnen wollte. Zehn Tage Antibiotika und dann wiederkommen. Nun gut, gleich zur Apotheke und das Antibiotikum eingeworfen. Besserung konnte ich aber nicht feststellen, eher wurden die Beschwerden größer. Trotzdem habe ich mich um vier nach Hannover aufgemacht, um dort den Flieger um 06:15 zu besteigen.

Zumindest der Flug würde wohl aufgrund Buchung eines Business Class-Tickets bequem sein, so dachte ich … bis ich in den Flieger kam. Dort musste ich feststellen, dass es überhaupt keine Business Class gab, jedenfalls wurden all die für meine Kaufentscheidung relevanten Features nicht geboten, die  British Airways vollmundig auf seiner Website verspricht:

Ihr Komfort an Bord hat für uns oberste Priorität. Unser bequem gestalteter Ledersessel in einer separaten, geräumigen Kabine im vorderen Teil des Flugzeugs bietet Ihnen ausreichend Platz, um sich auszustrecken, und mehr Freiraum zum Arbeiten und Entspannen.

zusätzlicher Platz an Bord, um zu arbeiten oder zu entspannen
eigene Check-In Schalter und bevorzugtes Einsteigen

Maßgeblich für das Upgrade waren die großzügigeren Sitzplatzverhältnisse, da ich aufgrund meiner Größe ansonsten nur sehr unbequem sitzen kann.

Offensichtlich hat British Airways aber die für Inlandsflüge vorgesehene Domestic-Version des A 319 eingesetzt, die überhaupt nicht über eine Business Class verfügt. Weder gab es ein bevorzugtes Einsteigen noch zusätzlichen Platz an Bord, um zu arbeiten oder zu entspannen noch die großzügigeren Platzverhältnisse in einer separaten, geräumigen Kabine. Im Gegenteil, der von mir reservierte Sitz 2 A wies dermaßen enge Platzverhältnisse auf, dass ich nach dem Flug aufgrund des ständigen starken Kniekontaktes mit dem Vordersitz Schmerzen in den Knien hatte. Meine Reklamation an British Airways mit Aufforderung zur Erstattung des Business Class-Aufpreises ist eben per Mail raus.

Vom Sitzkomfort her fliege ich übrigens mit Billigflieger Ryanair wesentlich besser, wenn ich mir dort für 10 € einen XL-Sitz buche!

Nach langen Laufwegen in Heathrow kam ich dann schließlich an der Haltestelle des Heathrow Express an. Diese Non Stop-Schnellzugverbindung zum Bahnhof Paddington war heute der einzige Lichtblick. Die 1. Klasse ist mit ihren Einzelsesseln und großzügigen Platzverhältnissen wirklich komfortabel. Und nach nur 15 Minuten ist man mitten in London.

Die 300 m zu meinem Hotel habe ich zu Fuß zurückgelegt, obwohl das angesichts der desolaten Gehwege auf dieser Strecke mit dem Trolley kein Vergnügen ist. Um 08:30 stand ich an der Rezeption und hatte die Hoffnung, dass mein Zimmer vielleicht schon bezugsfertig ist (normalerweise Check In 14:00). Das Zimmer war aber noch belegt und so würde das noch ein paar Stunden dauern.

Auf meine Frage, ob ich meine schwere, wertvolle Fotoausrüstung an einem sicheren Platz bis zum Bezug des Zimmers lagern könnte, erklärte man sich bereit, dies in einem zur Rezeption gehörenden Raum zu tun. Zuvor entnahm ich aber noch eine Kamera und zwei Objektive, um den Vormittag mit ein wenig Sightseeing zu verbringen.

Dabei fiel mir auf, dass ich meine Gurte für die Kameras zuhause vergessen hatte. Ohne die Gurte kann ich mit zwei Kameras bei der Triathlon WM aber unmöglich fotografieren. Also musste ich mich wohl oder übel auf die Suche nach einem gut sortierten Fotogeschäft machen, um dort zwei geeignete Gurte zu kaufen. Tante Google sagte, der nächste Laden sei 3,5 km entfernt. Nachdem ich um den Bahnhof Paddington herum auch keinen Fotoladen gefunden hatte, machte ich mich zum Taxistand am Bahnhof auf.

Ich konnte erst gar nicht glauben, was ich dort sah: Hunderte Reisende, die dort in einer ca. 300 m langen Schlange auf ein Taxi warteten. Organisiert wird das von Einweisern, die sowohl den ständig anrollenden Taxen als auch den Reisenden einen Platz zum Einsteigen zuteilen. Aber zuvor müssen die Wartenden ein achtspuriges Drängelgitter durchlaufen, ehe sie zu der langen Schlange kommen, die irgendwann ein Taxi verheißt, wenn man vorne angekommen ist.

 

Nach 30 Minuten war ich endlich ganz vorne angekommen und durfte wenig später eines der typischen Londoner Taxis besteigen, die seit langer Zeit von London Taxis International Limited (LTI) gebaut werden. Neben den typischen „Black Cabs“ sind aber auch immer mehr lizenzierte Taxen mit farbenfroher (Werbe-) Lackierung unterwegs. Aber eins haben sie alle gemeinsam: außergewöhnlich großzügige Platzverhältnisse im Innenraum. Da passt problemlos ein Fahrgast mit Rollstuhl rein, man kann die Beine lang ausstrecken und die Kopffreiheit ist so riesig, dass man/frau problemlos einen Hut tragen kann.

Eins sind sie aber nicht, schnell. Entweder quält der Fahrer sich durch den Londoner Verkehr oder er benutzt die Busspuren, wird dort aber – an vielen Stellen – natürlich von den Bussen eingebremst und muss an jeder Haltestelle warten, bis es weitergeht.

Nach einer halben Stunde hatte ich die 3,5 km zum Fotoladen geschafft und wurde um 12 Pfund ärmer. Zwei Kameragurte von Optech leerten meine Börse um weitere 36 Pfund.

Mittlerweile war es fast 12 und der Hunger meldete sich (über das im Flieger servierte „original englische Breakfast“ breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens). Die Sonne war rausgekommen und man hätte gut draußen sitzen und etwas essen können. Die Oxford Street hat auch schöne breite Gehwege, aber Außengastronomie scheinen die Londoner nicht zu kennen. Umrahmt von Klamottengeschäften blitzte plötzlich das Zeichen internationaler Spitzengastronomie auf, dieses schön geschwungene M 😉 . Da meine schon angeschlagene Achillessehne beim Tritt in ein Loch auf dem Gehweg noch einen mitbekommen hatte, konnte ich mich eh nur noch humpelnderweise fortbewegen und so betrat ich zügig den Tempel der Gastlichkeit. Aus dem reichhaltigen Speisenangebot wählte ich etwas, was glaube ich Mc Donalds Mexican … hieß.

Anschließend nahm ich mir ein Taxi zum Hotel und hoffte dort auf ein bezugsfertiges Zimmer zu treffen. Pech gehabt, mein Zimmer gehörte nach Reinigungsplan zu den letzten und so machte ich mich mit der wenig aufregenden Vorstellung vertraut, noch eine Stunde im Hotel zu warten. Meine Viren feierten wohl in meinem Körper eine heiße Party und mein Körper beantwortete das abwechselnd mit Schüttelfrost und Schweißausbrüchen. Anders gesagt, ich war ziemlich am A….

Nachdem ich im Sessel vor der Rezeption mehrfach eingeschlafen und zur Seite gesunken war, hatte der Rezeptionist Erbarmen und gab mir ein anderes, bereits bezugsfertiges Zimmer. Kaum im Zimmer angekommen lag ich auch schon im Bett und habe sieben Stunden durchgeschlafen.

Als ich aus dem totenähnlichen Schlaf erwacht war, griff ich mir mein MacBook, um weiter an diesem Blogpost zu schreiben. Und schon traf mich der nächste Hammer, das Display des MacBooks ist an mehreren Stellen gebrochen und kann als Totalschaden betrachtet werden. Dabei hatte ich gerade erst eine SSD und zusätzlichen Speicher eingebaut.

Da das Display morgens am Flughafen noch in Ordnung war und ich es bis zur Abgabe an der Rezeption ständig im Auge hatte, kann es also nur in der Rezeption beschädigt worden sein. Zu dieser Annahme passt auch, dass der Fotorucksack, in dem das MacBook verstaut war, in einer anderen Lage auf meinem Trolley befestigt war. Ich denke, jemand in der Rezeption hat den Trolley samt Rucksack umgestoßen und dabei ist das MacBook so hart aufgeschlagen, dass das Display gebrochen ist. Aber beweise das mal. Mal sehen, ob die Fotoversicherung das übernimmt. Aber selbst wenn, 250 € Selbstbeteiligung sind auf jeden Fall weg.

Update zum MacBook: Nach einer Internetrecherche scheint der Schaden doch geringer zu sein, weil sich die gebrochene Glasscheibe separat auswechseln lässt, wenn das eigentliche Display noch in Ordnung ist. Der Schaden liegt somit „nur“ bei 119 €.

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