Hoch auf dem gelben Wagen …

ADAC Postbus an der Haltestelle ZOB in Bremen

… sitz ich beim Fahrer vorn, trällerte einst Alt-Bundespräsident Walter Scheel. Da saß ich auch, allerdings in einer sehr viel moderneren Kutsche, nämlich dem ADAC Postbus. Nach meinem Erstkontakt mit dem neuen Fernbus auf der CMT in Stuttgart folgte am 3. Februar ein Praxistest. Der ADAC Postbus sollte mich von Bremen nach Berlin bringen.

Um 07:26 fuhr ich mit dem Zug zum Bremer Hauptbahnhof, vor dessen Türen der ZOB (Zentrale Omnibus Bahnhof) am Breitenweg liegt, wo der ADAC Postbus um 08:15 abfahren sollte. 15 Minuten vor Abfahrt solle man an der Haltestelle sein, stand auf dem Ticket. Kein Problem, um 07:45 verließ ich den Bremer Hauptbahnhof und machte mich auf die Suche nach der Haltestelle. Das erwies sich aber als nicht so einfach wie gedacht. Keinerlei Hinweis auf die Haltestelle des ADAC Postbusses, die Verkäuferin am Imbissstand zuckte auf die Frage nach der Haltestelle für Fernbusse nur mit den Schultern und erst der Fahrer eines anderen Busses konnte eine Wegbeschreibung liefern. Nach 15 Minuten Herumirren auf dem ZOB fand ich so doch noch zur Haltestelle, die nicht direkt am ZOB, sondern die Ecke rum ca. 100 m entfernt liegt. Dem ortsunkundigen Neukunden würde es sehr helfen, wenn den Fahrtunterlagen eine kleine Handskizze beiläge, die den Weg vom Hauptbahnhof zur Bushaltestelle zeigt.

ADAC Postbus an der Haltestelle ZOB in Bremen

ADAC Postbus an der Haltestelle ZOB in Bremen

 

Um 08:00 stand ich pünktlich an der Haltestelle, jedoch war weit und breit kein gelber Bus zu sehen und daran änderte sich auch bis zur planmäßigen Abfahrt um 08:15 nichts. Erst um 08:31 rollte der ADAC Postbus heran. Vom Fahrer Hans-Dieter Warnecke erfuhren wir, dass die beiden für die Fahrt vorgesehenen Fahrer auf der Autobahn durch einen Unfall aufgehalten worden waren und er als eiligst herbeigerufener Ersatzfahrer einspringen musste. Okay, gegen höhere Gewalt ist niemand gewappnet.

Das Gepäck wurde schnell eingeladen, die Tickets und Ausweise überprüft und wir durften den Bus entern. Bei der Suche nach dem reservierten Sitzplatz Nr. 9 machte sich Ratlosigkeit breit. Vom Flugzeug so gewohnt suchte ich in Augenhöhe an der Gepäckablage nach den Sitzplatznummern; nichts zu finden. Den anderen Passagieren erging es ebenso, wie man den zahlreichen Fragen „Wo stehen denn die Sitzplatznummern?“ entnehmen konnte. Schließlich fand ich doch noch die Nummern, und zwar in Form von kleinen Plaketten unten an den Sitzen. Die Traube von Passagieren löst sich langsam auf, nachdem nun jeder seinen Platz orten konnte. Es war zwar etwas dunkel im Fahrgastabteil, weil nur die Notbeleuchtung an war, aber diese Sitzplatzmarkierung ist sicherlich nicht optimal. Warum macht man das nicht wie im Flugzeug?

Mit gut 20 Minuten Verspätung ging es schließlich los.

ADAC Postbus Bremen - Berlin, Fahrer Hans-Dieter Warnecke

ADAC Postbus Bremen – Berlin, Fahrer Hans-Dieter Warnecke

 

Dummerweise funktionierte das WLAN im Bus nicht und so fiel denn für die Passagiere die Möglichkeit weg, auf’s Internet und auf das Media-Angebot (Filme, Musik) zugreifen zu können. Dem Vernehmen nach kommt es öfters zu WLAN-Ausfällen, so dass zu wünschen ist, dass der Betreiber schleunigst für eine Stabilisierung des Bord-WLAN sorgt.

Eine weitere technische Unzulänglichkeit zeigte sich bald nach Fahrtantritt, nämlich als der erste Fahrgast das WC benutzt hatte und sich die Hände waschen wollte. Die Wasserversorgung war ausgefallen, weil ein Verbindungsschlauch zum Wassertank eingefroren war. Dieses Problem bestand auch schon seit einigen Tagen, weil die Temperaturen ständig unter dem Gefrierpunkt lagen und der Bus nicht mit einer entsprechenden Heizung für eine winterfeste Wasserversorgung ausgestattet ist. Meines Erachtens ein klarer Fehler bei der Konzeption.

Demzufolge funktionierte leider auch der Heißgetränkeautomat nicht, so dass auf dieser Fahrt wenig von den angepriesenen Komfortmerkmalen zu genießen war.

ADAC Postbus Bremen - Berlin, Fahrerin Jenny

ADAC Postbus Bremen – Berlin, Fahrerin Jenny, die Ablösung ab Hamburg

 

Positiv fiel mir auf, dass jede Zweier-Sitzbank über zwei Steckdosen verfügt, so dass auch jeder Fahrgast eine eigene Steckdose nutzen kann. Wenn ich mich nicht täusche, gab es in dem auf der Messe in Stuttgart vorgestellten ADAC Postbus nur eine Steckdose je Sitzbank. Damit kommen wir auch schon zu dem Punkt, dass sich zwei verschiedene Varianten des ADAC Postbusses im Einsatz befinden.

Vom Chassis (Fahrgestell, Motor etc.) her sind beide Varianten gleich, das kommt von Scania. Beim Aufbau, also dem Fahrgastraum, gibt es aber zwei Modelle. Einmal kommt der Aufbau auch von Scania (Scania Omni Express), bei der anderen Variante kommt der Aufbau von Van Hool (Van Hool Altano). Die Van Hool-Variante ist 3 t schwerer und kann gegenüber der Scania-Variante mit 53 Plätzen auch mehr Passagiere befördern (58 + 3 barrierefreie Sitze + 1 Platz für Rollstuhlfahrer). In der Scania-Variante soll der Mittelgang etwas schmaler sein, so dass ein Durchkommen schon etwas schwierig ist, besonders wenn Fahrgäste von der Möglichkeit der seitlichen Sitzverstellung Gebrauch gemacht haben (dabei kann man den Sitz am Gang in den Gang hineinschieben, um mehr Abstand zum Fenstersitz zu bekommen).

Falls ein Rollstuhlfahrer mitfährt, werden die mitgeführten Rampen am Einstieg angesetzt und der Rollstuhlfahrer fährt darüber in den Innenraum. Im Bereich neben dem Fahrersitz sind im Boden des Busses Lochschienen eingelassen, in denen der Rollstuhl mit stabilen Gurten sicher befestigt wird. Der Rollstuhlfahrer erhält zusätzlich einen Becken-Sicherheitsgurt, der ebenfalls in den Lochschienen verankert wird.

Bodenschienen für Rollstuhlfahrer im ADAC Postbus

Bodenschienen für Rollstuhlfahrer im ADAC Postbus (Scania Van Hool Altano)

 

ADAC Postbus Rampen und Gurte für Rollstuhlfahrer

ADAC Postbus Rampen und Gurte für Rollstuhlfahrer

 

Die Van Hool-Variante kann im Gepäckraum auch bis zu sechs Fahrräder mitnehmen.

ADAC Postbus Gepäckraum für bis zu 6 Fahrräder

ADAC Postbus Gepäckraum für bis zu 6 Fahrräder

 

Die Scania-Motoren der ADAC Postbusse haben eine Leistung von 440 PS / 324 kw und sind damit allen Anforderungen gewachsen. Rechnet man einmal den durchschnittlichen Verbrauch von 24 bis 26 l Diesel auf 100 km auf die Passagierkapazität um, weisen die Busse gegenüber einem PKW eine sehr gute Umweltbilanz auf. Die Motorsteuerung regelt bei einer Geschwindigkeit von 99 km/h ab, so dass das Tempolimit von 100 km/h eingehalten wird. Neben den an jedem Sitz angebrachten Dreipunkt-Automatik-Sicherheitsgurten, für deren Anlegung der Fahrgast verantwortlich ist, verfügen die Busse z.B. auch über ein Alcoloc-System. Bevor der Fahrer den Motor anlassen kann, muss er in ein Gerät blasen, welches bei Alkoholbestandteilen in der Atemluft ein Starten des Motors verhindern würde.

Trotz der aufgetretenen technischen Mängel war die Fahrt nach Berlin doch sehr komfortabel und angenehm und ich habe mich zu jeder Zeit sicher gefühlt. Da merkt man doch die technische Entwicklung, die in den letzten Jahre auch bei der Bustechnik stattgefunden hat. Last but not least haben hieran aber auch die beiden Fahrer Hans-Dieter Warnecke und Jenny großen Anteil, die den Riesen-Dampfer professionell gesteuert haben. Hans-Dieter Warnecke hat zudem noch geduldig all meine Fragen beantwortet und konnte mit interessanten Details aus dem Leben eines Berufsfahrers aufwarten. Danke dafür.

Am nächsten Morgen stand die Rückfahrt Berlin – Bremen auf dem Plan. Als ich kurz vor 9 am ZOB ankam, stand der Bus schon bereit. Die meisten Fahrgäste waren schon  an Bord und so konnte es ein paar Minuten früher um 09:10 losgehen.

Die beiden Fahrer berichteten, dass sie noch nie WLAN-Probleme hatten und tatsächlich konnte ich mich sofort ins offene WLAN des Busses einloggen, als ich vor dem Bus stand. Drinnen sah es nicht mehr ganz so gut aus. Auf Sitz 51 im hinteren Bereich des Busses hatte ich zwar mit meinem Smartphone Galaxy S3 Zugang, bekam aber hin und wieder Warnmeldungen wegen schlechter Internetverbindung. Mit meinem MacBook Pro bekam ich anfangs überhaupt keine WLAN-Verbindung. Ich bin dann mal auf einen Sitzplatz im mittleren Bereich gewechselt und kam auch sofort ins WLAN rein. Die Verbindung blieb anschließend auch im hinteren Bereich des Busses stabil. Wer also auf eine funktionierende Verbindung über WLAN angewiesen ist, weil er aufs Internet zugreifen oder das Angebot des Mediacenters nutzen will, sollte bei Verbindungsproblemen mal den Platz wechseln. Dass es bei Schwerin ein Funkloch gibt, ist bekannt, das liegt aber nicht an der Bustechnik, sondern an der Mobilfunkversorgung in dieser Region.

Herr Paul übernahm den ersten Teil der Strecke von Berlin bis Hamburg und wurde dann von Herrn Gerbsch abgewechselt, der uns bis nach Bremen brachte. Der Service (Getränke und Snacks) wurde vom jeweils freien Fahrer übernommen. Ich habe einen Capuccino zum unschlagbaren Preis von 1 Euro probiert und der war recht gut. Man konnte sogar wählen, ob der Kaffe normal oder stark sein sollte.

Bei Antritt der Fahrt gab es eine ausführliche Ansprache, in der alle Besonderheiten des Busses erklärt wurden, angefangen von der Gurtpflicht über die Bitte, dass auch die Herren sich bei Benutzung des WC aus Sicherheits- und hygienischen Gründen setzen mögen, bis zur Erklärung, wie der Service funktioniert. Parallel werden in den großen Dachdisplays des Busses eine Reihe von Sicherheitshinweisen angezeigt. Um seine Wünsche hinsichtlich Getränken oder Snacks zu äußern, drückt man übrigens den roten Service-Knopf im Bedienfeld über seinem Sitz.

ADAC Postbus Bedienungselemente über dem Sitz

ADAC Postbus Bedienungselemente über dem Sitz

 

In diesem Bus funktionierte auch die Wasserversorgung einwandfrei. Die Fahrer hatten mir erklärt, dass sie das Frischwasser jeden Abend komplett ablassen (inkl. des Wassers im Verbindungsschlauch) und es somit keine Probleme mit einfrierenden Leitungen geben könne. Möglicherweise hat es in dem Bus von gestern diesbezüglich eine Panne gegeben.

Auch die Rückfahrt nach Bremen verlief sehr angenehm und ich bedanke mich dafür bei den Fahrern Herrn Paul und Herrn Gerbsch.

Alles in allem fällt mein Fazit positiv aus. Wenn in Kürze hoffentlich die paar Kinderkrankheiten ausgemerzt sind, sehe ich den ADAC Postbus als eine gute und preiswerte Alternative für Fernstrecken. Die WLAN-Verbindung hat sich übrigens als stabil erwiesen, wie man auch daran sieht, dass ich dieses Blogpost aus dem Bus kurz vor der Ankunft in Bremen veröffentlicht habe.

Ich danke der Deutsche Post Mobility GmbH für die Unterstützung und Bereitstellung der Bustickets. Meine Meinung wurde dadurch jedoch nicht beeinflusst.

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2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Beitrag, kann das Fernbusangebot nur jedem ans Herz legen: So günstig und bequem reist man mit keinem anderem Verkehrsmittel….

  2. Schließe mich hier mal meiner Vorrednerin an. Lange Fahrzeiten werden durch den günstigen Preis und dem Komfort ausgeglichen. Bisher 4x gefahren, jedes Team war freundlich. Ja sogar ein kleines Schildkrötenrennen zwischen MeinFernbus und Postbus war drin. Beide Seiten haben sich amüsiert. 😀

    Zum Mediacenter:
    Viele schreiben immer, dass die Android und Apple Apps nicht funktionieren.
    Das Phänomen hatte ich auf der Fahrt mit dem von Van Hool gebauten Bus.
    Da hilft ein Klick über den Browser via mediacenter.postbus . de

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