Venedig im Januar ist unattraktiv

Das sagen sich offenbar viele Touristen und wählen für einen Besuch der Lagunenstadt lieber andere Jahreszeiten. Aus meiner persönlichen Sicht kann ich dazu nur sagen: Und das ist auch gut so! Gibt es mir doch Gelegenheit, Venedig in dieser Zeit intensiv zu erleben und zu genießen.

Im Januar atmet Venedig auf und öffnet sich dem Besucher mehr als zu jeder anderen Jahreszeit. Die Besuchermassen des Sommers sind Vergangenheit, die Acqua Alta Adventure-Touristen und Weihnachts-Shopper sind längst wieder zu Hause und das Frühjahr ist noch fern. Die Hotelpreise bewegen sich in charmanteren Bereichen als im restlichen Jahr und man erwischt schon mal eher einen günstigen Flug.

Und so führte mich mein Weg schon kurz nach meinem Aufenthalt im Oktober im Januar wieder in die Serenissima. Von meinem Heimatflughafen Bremen brachte Ryanair mich für kleines Geld nach Treviso (72,98 € für Hin- und Rückflug + 40,22 € für zwei reservierte XL-Sitze, Bustransfer und Kreditkartengebühr). Der 50-minütige Bustransfer zum Piazzale Roma verlief wie meist reibungslos.

VENEZIA UNICA CITY PASS

Erster Anlaufpunkt war das Gebäude der Agentur Hellovenezia am Piazzale Roma (Lageplan), da zwei Mitglieder unserer Gruppe noch keinen VENEZIA UNICA CITY PASS hatten. Wenn man dort links am Ticketschalter vorbeigeht, erreicht man durch die nächste Tür einen Raum mit vier Schaltern. Dort bekommt man u.a. den 2013 eingeführten VENEZIA UNICA CITY PASS, der enorme Preisvorteile bei der Fahrt mit den Vaporetti, den motorisierten Fährbooten, und den Traghetti (Gondeln, die im Canal Grande den Transport von Ufer zu Ufer machen) bietet. Den Pass gibt es auch am Flughafen Marco Polo, am Bahnhof Ferrovia Santa Lucia und bei vielen anderen Stellen.

Venezia Unica City Pass

Venezia Unica City Pass

 

Die ganze Prozedur dauert ca. 10 Minuten. Man trägt seine persönlichen Daten in zwei Formulare ein (die Mitarbeiter am Schalter sind gerne dabei behilflich), dann wird man mit der Webcam fotografiert und wenig später kann man seine Karte in Empfang nehmen. Sinnvollerweise lässt man den Pass gleich mit einem 10er-Ticket (10 Fahrten zum Preis von 11 €) aufladen. An den meisten Haltestellen kann man den Pass mit diesen 10er-Tickets bei Bedarf wieder neu aufladen lassen. Bevor man ein Vaporetto besteigt, hält man seine Karte vor das Lesegerät und sobald ein grünes Licht angeht und es „Piep“ macht, ist das Ticket entwertet. Dann kann man 60 Minuten in eine Richtung fahren und unterwegs auch die Fahrt unterbrechen. Drückt man zuerst das Fragezeichen am Automat bevor man die Karte davor hält, kommt ein gelbes Licht und das Restguthaben wird angezeigt.

Der Pass kostet knapp 40 € und gilt fünf Jahre. Mit dem Pass zahlt man als Tourist für die Bootsfahrten die gleichen Preise wie die Einheimischen. Für jeden Besucher, der Venedig mehr als ein Mal für zwei, drei Tage besucht, lohnt sich der Pass auf jeden Fall. Der stolze Touristen-Preis von 7,00 € je Fahrt ermäßigt sich mit dem Pass nämlich auf günstige 1,10 € je Fahrt. Außerdem kann man die Traghetti auf dem Canal Grande auch zum gleichen Preis wie die Einheimischen benutzen (0,70 € statt 2,00 € je Fahrt).

Best Western Bisanzio Hotel

Übernachtet habe ich diesmal im Best Western Bisanzio Hotel im Sestiere Castello. Schönes 3-Sterne-Haus, sehr gute Bewertungen, ruhig, aber dennoch zentral gelegen (keine 100 m bis zum Ufer, 300 m bis zu den Anlegestellen und 700 m bis zum Markusplatz); kann ich nur empfehlen. Über HotelTravel.com habe ich das Einzelzimmer zum Schnäppchenpreis von ca. 70 € je Übernachtung/Frühstück bekommen. Im Mai muss man mehr als das Dreifache auf die Theke des Hauses legen.

Chillen in der Wintersonne Venedigs, Januar 2014

Chillen in der Wintersonne Venedigs, Januar 2014

 

Um sich dem wunderbar gemäßigten Strom der Zeit im Januar anzupassen, haben wir uns keinerlei selbstgemachten Stress auferlegt. Ein wenig mit dem Vaporetto oder dem Traghetto rumgondeln, in der Wintersonne chillen, etwas Sightseeing und natürlich die venezianische Gastronomie mit unserem Besuch beehren. Ach ja, der weibliche Teil unserer Gruppe wurde des öfteren beim Shoppen in diversen Fashion-Tempeln, Schmuck- und Taschengeschäften beobachtet. Übrigens ein weiterer Vorteil einer Januarreise, an allen Schaufensterscheiben prangt ein dickes „SALE“ und tatsächlich gibt es erhebliche Preisnachlässe.

Aber bleiben wir mal bei der Gastronomie. Der Januar mit den wenigen Touristen erweist sich auch hier als wahrer Segen. Keine überfüllten Restaurants, keine langen Reservierungsfristen und alles ist viel entspannter.

Café Florian

Im Café Florian den Hauch der Geschichte spüren, einen Café trinken und einen kleinen Imbiss zu sich nehmen, wie es seinerzeit schon Goethe und Casanova taten, dabei dem Treiben auf dem Markusplatz zusehen, das ergibt Wohlfühlfaktor 10!

Cafe Florian, Venedig im Januar 2014

Café Florian, Venedig im Januar 2014

 

Bei diesem Besuch hatten wir uns vorgenommen, speziell einmal die Hotelbars berühmter 5-Sterne-Luxusherbergen unter die Lupe zu nehmen. In angenehmer Atmosphäre den Tag bei einem guten Cocktail oder Whisky ausklingen zu lassen; auch das passt hervorragend zu einem entspannten Januaraufenthalt.

Für den abendlichen Absacker besuchten wir die Oriental Bar im Hotel Metropole, die Bar Dandolo des Hotel Danieli und last but not least die Bar Longhi im Hotel The Gritti Palace.

Das Preisniveau war mehr oder weniger gleich hoch. Der Preis für einen Cocktail liegt zwischen 15 und 20 €, für einen Whisky oder ein Glas Wein zahlt man etwa das Gleiche, wenn es nichts Besonderes sein soll. Auch das Ambiente ist in allen Häusern ansprechend, unterschiedliche Bewertungen sind wohl dem eigenen Geschmack geschuldet.

Die Getränke entsprachen überall dem hohen Standard des Hauses. Aber damit hörten die Gemeinsamkeiten denn auch auf und wie so oft gab die Servicequalität den Ausschlag. Eine Kurzbewertung:

Bar Dandolo im Hotel Danieli

Abgeschlagen auf dem letzten Platz landete die Bar Dandolo. Schuld daran war der miserable Service. Obwohl wir allein in der Bar waren und die beiden Kellner gelangweilt herumstanden, bequemte sich keiner der beiden, uns zu der einzigen Karte am Tisch weitere Karten zu bringen. Entsprechend lange dauerte unsere Auswahl, was sich auf die Servicebereitschaft des Kellners nicht positiv auswirkte. Arrogant und desinteressiert beschreibt das Verhalten zutreffend. Muss ich nicht haben!

Hotel Danieli, Venedig im Januar 2014

Hotel Danieli, Venedig im Januar 2014

 

Oriental Bar im Hotel Metropole

Platz 2 für die Oriental Bar, weder besonders negative noch positive Auffälligkeiten. Der Tisch war mit einer Schale mit diversen Gewürzen dekoriert, aber als Snacks gab es nur ein paar Kekse. Das geht besser.

Oriental Bar im Hotel Metropole, Venedig im Januar 2014

Oriental Bar im Hotel Metropole, Venedig im Januar 2014

 

Bar Longhi im Hotel The Gritti Palace 

Mit großem Vorsprung sicherte sich die Bar Longhi im Hotel The Gritti Palace den Sieg. Ein aufmerksamer und kommunikativer Barkeeper, eine große Platte mit Snacks aller Art (von leckeren Oliven über Knabberzeug bis hin zu kleinen Cicchetti), die mit jedem neuen Drink komplett gegen eine neue ausgetauscht wurde; das war wirklich 5-Sterne-Niveau! Nach einem kleinen Small Talk kamen wir auch noch in den Genuss einer kurzen Privatführung durch die heiligen Hallen des Gritti. Der Negroni im Gritti ist übrigens vorzüglich! Da kommt man doch gerne wieder.

Bar Longhi im Hotel The Gritti Palace, Venedig im Januar 2014

Bar Longhi im Hotel The Gritti Palace, Venedig im Januar 2014

 

Bacarando ai Corazzieri

Am vierten Venedigabend haben wir im Bacarando ai Corazzieri viel Spaß gehabt. Ich hatte dort früher schon einmal gegessen, aber diesmal wurden wir von Live-Musik angelockt. Die Fünf-Mann-Combo machte mächtig Dampf in dem kleinen Lokal mit vielleicht 30 Plätzen. Dem Schauspieler Ulrich Tukur und seiner Frau Katharina John schien das auch zu gefallen, die saßen nämlich am Nachbartisch. Aber die Glücklichen haben ja auch eine Wohnung in Venedig.

Live Musik im Bacarando ai Corazzieri, Venedig im Januar 2014

Live Musik im Bacarando ai Corazzieri, Venedig im Januar 2014

 

Für heute sage ich Arrivederci. Aber schon in vier Tagen werde ich wieder buongiorno Venezia sagen und drei Tage den Carnevale di Venezia fotografieren. Schaut dann mal wieder rein, wenn ihr den venezianischen Karneval mögt.

Viele weitere Fotos von diesem Venedigbesuch gibt es in der großen Fotogalerie.

Verwandte Artikel:

4 Kommentare

  1. Wusste ich’s doch, Wolfgang! (Dass du Venedig im Januar sehr wohl attraktiv findest. ;- ) ) Und danke für die Tipps!!! Hab‘ Venedig auch auf dem Schirm…

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.