Let’s go to San Francisco

Aussicht auf den Union Square, San Francisco von der Dachterrasse des Restaurants The Cheesekake Factory im Macy's

Gestern war es soweit, wir folgten dem Aufruf in Scott McKenzies Hymnye auf San Francisco: „Let’s go to San Francisco“. Nach zwei ruhigen Tagen im bour­geoi­sen Universitätsstädtchen Berkeley, die zu einem Großteil der Pflege verwandtschaftlicher Beziehungen dienten, brachen wir auf zu neuen Ufern.

Über die erst letzten September eröffnete neue Bay Bridge rollten wir gestern nach San Francisco rein. Der angeblich erdbebensichere Neubau hat übrigens mit 6,4 Milliarden Dollar das Fünffache der geplanten Baukosten verschlungen und konnte erst mit sechs Jahren Verspätung dem Verkehr übergeben werden. Die Berliner scheinen sich das beim Bau ihres neuen Flughafens zum Vorbild genommen zu haben 😉 .

Und immer noch und immer wieder bekomme ich Gänsehaut, wenn ich in diese aufregende, widersprüchliche, wunderschöne Stadt mit ihren tausend Facetten eintauche. Ich weiß jetzt schon, dass mir die vier Tage Aufenthalt wieder viel zu kurz sein werden.

Gegen Mittag steuerten wir unser gebuchtes Hotel, das Inn on Brodway in der Van Ness Ave an. Im Office ein kurzer Schreckmoment, die bestätigte Zimmerreservierung war offenbar nicht im System aufzufinden. Nach Vorzeigen der in Evernote gespeicherten Reservierungsbestätigung bekamen wir aber trotzdem drei Zimmer und einen kostenlosen Parkplatz in der Tiefgarage. Eines der drei Zimmer schien vor kurzem noch Schauplatz eines Junggesellenabschieds oder einer ähnlich destruktiven Veranstaltung gewesen zu sein. Das ganze Zimmer bzw. das darin angerichtete Chaos war aber offenbar der Aufmerksamkeit der Maid entgangen. Auch dieses Problem konnte mit einem Zimmertausch schnell gefixt werden.

Während eines Mittagsimbisses im benachbarten Peter D’s Restaurant öffnete der Himmel seine Pforten und ließ San Francisco reichlich von dem in den letzten Monaten so vermissten Wasser zukommen. Für die Region gut, für uns jetzt erst mal doof. Plan B wurde herausgekramt: Indoor-Aktivität, genauer gesagt, shoppen gehen. Macy’s wurde zuerst angesteuert, shoppingtechnisch leider ohne Erfolg. Die von mir gesuchten Clarks-Schuhe waren nicht da und bei den Aktentaschen war auch nichts mit dem Aha-Effekt dabei. Aber die Aussicht von der Dachterrasse des Restaurants „The Cheesecake Factory“ war selbst bei Regenwetter toll (TIPP!) und ein kleines Päuschen bei Prosecco und einem kühlen Anchor Steam weckte wieder die Lebensgeister.

Restaurant The Cheesekake Factory im Macy's, San Francisco, USA

Restaurant The Cheesekake Factory im Macy’s, San Francisco, USA

 

Auf zu neuen Taten, das riesige Westfield San Francisco Centre (TIPP!) mit Bloomingdale’s und hunderten anderer Shops war nicht weit. Aber auch hier Fehlanzeige bei den Clarks, dafür aber Volltreffer bei den Aktentaschen. Der Samsonite-Shop hatte eine Ledertasche mit den gesuchten Features im Sale und statt für 350 $ wechselte das Teil für nur 150 $ den Besitzer.

Ähnlich erfolgreich ging es weiter. Als wir rauskamen, strahlte die Sonne von einem weithin blauen Himmel! Auf dem Rückweg kam mir die Idee, das Abendessen rauszuschieben und stattdessen zu den Twin Peaks (TIPP!) hochzufahren. Als wir oben angekommen waren, hatten sich zwar wieder ein paar Wolken breitgemacht, aber dennoch war der Anblick der uns zu Füßen liegenden Stadt und der Bay Area einfach göttlich schön. Das kann bitte heute so weitergehen!

Aussicht auf San Francisco von Twin Peaks

Aussicht auf San Francisco von Twin Peaks

 

Was ich aber heute und in den nächsten Tagen nicht mehr brauche, sind Essen in Restaurants wie dem abends besuchten „Leopolds“. Yelp zeigte es mit 4,5 von 5 Sternen an und da es nur ein paar hundert Meter vom Hotel entfernt war, fiel unsere Wahl auf das „Leopold’s“ und seine österreichische Küche. Beim Eintreten fast so etwas wie ein Kulturschock, Kellnerinnen im Dirndl und die Wände vollgepflastert mit allem, was irgendwie dem Klischee von Österreich entspricht. Neben röhrenden Hirschen ein Kruzifix, neben Habsburger Wappen Heiligenbilder und Jagdtrophäen, boah, starker Tobak. Die Speisekarte recht übersichtlich, dafür die Bier- und Weinkarte umso größer. Das Stiegl im 1 l-Maßkrug war gut, das sog. Wiener Schnitzel aus Schweinefleisch mit Kartoffel- und Gurkensalat optisch und geschmacklich eine Katastrophe. Aber die Amis kann so was wohl nicht abschrecken, wenn man sich die Bewertungen bei Yelp anschaut. Brrrrrrrr, das braucht kein Mensch! Dass man zu der Rechnung gleich 18 % Trinkgeld addiert hatte, passt zum Bild. Mein Fazit: KEIN Tipp!

Leopold's in San Francisco, Kalifornien, USA

Leopold’s in San Francisco, Kalifornien, USA

 

Kellnerin im Leopold's in San Francisco, Kalifornien, USA

Kellnerin im Leopold’s in San Francisco, Kalifornien, USA

 

 

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7 Kommentare

  1. Naja, österreichisch essen in San Francisco? Ist nicht so das Wahre, oder? Meine besten Restauranttipps in den USA habe ich immer von den Hotels erhalten, wenn ich dort nach „fine dining restaurants“ gefragt habe. Da gehen die Einheimischen hin, wenn es etwas Besonderes sein soll – und das schmeckt meistens auch uns 🙂

    • Ihr habt ja so recht, Monika und Petar. Aber auch schlechte Erfahrungen sind Erfahrungen. Wenn ich richtig gut essen will, betreibe ich schon mehr Aufwand und dann ist auch die Trefferquote gut .

  2. Haha, das erinnert mich an meinem Besuch eines Biergartens in Chile. Das Essen war auch nicht genießbar. Aber man lernt ja zum Glück aus solchen „Fehltritten.“

  3. Lieber Wolfgang,

    die Aussicht von den Twin Peaks ist ja wirklich toll! Ich wusste gar nicht, dass San Francisco so flach ist und man dadurch so weit gucken kann. Toll! 🙂

    Viele liebe Grüße
    Kathi

  4. Ich wohne quasi neben der Stiegl-Brauerei, da würde ich in Kalifornien nicht unbedingt auch noch damit konfrontiert werden wollen. Trotzdem möchte ich gerne einmal nach San Francisco reisen. Liebe Grüße, Claudia

  5. Hallo Wolfgang,

    Beruhigend zu hören, dass das mit den xfach höheren Baukosten und Jahren mehr nicht nur hierzulande passiert…

    Und österreichisch oder deutsch wäre auch nicht meine erste Wahl.

    Aber davon abgesehen, nach San Francisco will ich schon ewig mal! Das habe ich bisher noch nicht geschafft (außer letzten Herbst, da habe ich zumindest schon mal den Flughafen erlebt, zum Einreisen und Umsteigen). Das ist so ein Traumziel… Dein Foto von Twin Peaks runter macht wieder mal Lust darauf.

  6. Hallo Wolfgang,
    San Francisco – da werden sofort schöne Erinnerungen wach. Eine wirklich tolle Stadt, die man immer wieder besuchen kann (und will). Als wir damals in San Francisco waren wurde gerade überall das „Oktoberfest“ angepriesen… 😉 Haben uns das dann aber letztendlich doch gespart. Und klar: Shopping muss sein!!!
    Viele Grüße
    Katharina

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