Nürnberg, das ist Spitze!

Hausbrauerei Altstadthof, Nürnberg

Ich sattle das Pferd mal verkehrt rum auf und fange mit den frischesten Eindrücken der letzten 36 Stunden an, und das ist der nächtliche Blick auf die Burg, als ich vor dem „Bräustüberl Schwarzer Bauer“ aufs Taxi wartete.

 

Nächtlicher Blick auf den Heidenturm der Nürnberger Burg

Nächtlicher Blick auf den Heidenturm der Nürnberger Burg

 

Zuvor hatte ich einige sehr vergnügliche Stunden, in denen ich tief (sic!) in die Nürnberger Geschichte abtauchte, eine Menge über Bier lernte und die Nürnberger Braukunst in der Praxis testen konnte.

Meinen „Abend des Bieres“ startete ich mit einer Führung durch die historischen Felsengänge. Die Führungen werden mit verschiedenen Schwerpunkten angeboten; von der Kinderführung über Dunkelführungen bis zur Theaterführung und last but not least die Bierführung „Rotes Bier in tiefen Kellern“.

Nach Erwerb eines Tickets im Brauereiladen der Hausbrauerei Altstadthof, die unterhalb der Nürnberger Burg liegt, versammelte sich unsere Gruppe von 26 Bierinteressierten um den Führer Martin Sawitzki. Nach ein paar einleitenden Worten ging es los in den Nürnberger Untergrund. Gleich zu Beginn eine Herausforderung für alle über 1,70 m; es war ein ca. 70 m langer enger Verbindungstunnel mit eben dieser Höhe zu passieren. Nichts für Leute mit Beklemmungsängsten, bei Problemen begleitet einen der Führer aber zurück an die Oberfläche.

Martin Sawitzki bei der Führung durch die unterirdischen historischen Felsengänge in  Nürnberg

Martin Sawitzki bei der Führung durch die unterirdischen historischen Felsengänge in Nürnberg

 

Die unterirdischen historischen Felsengänge in  Nürnberg

Die unterirdischen historischen Felsengänge in Nürnberg

 

Als gebürtiger Kölner liegt mir die Bieraffinität ja gewissermaßen im Blut, aber bei der Führung habe ich jede Menge Neues über Bier, seine Herstellung und seine immense Bedeutung in früheren Zeiten für die Menschen in Nürnberg gelernt. Wer hätte z.B. gedacht, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch im 17. Jahrhundert in Nürnberg bei 500 Litern Bier lag? Dahinter steckt der Umstand, dass das Wasser bakteriell belastet war und man das Abkochen noch nicht als Abhilfe entdeckt hatte.

Überrascht hat mich die wirtschaftliche Bedeutung, die Bier für Nürnberg hatte. Die Biersteuer war im Mittelalter die Haupteinnahmequelle der Stadt und sehr viele Arbeitsplätze hatten ihre Existenz dem Bier zu verdanken.

Nach der sehr kurzweiligen Führung von Martin Sawitzki arbeiteten wir uns wieder zur Oberfläche vor und verkosteten im Brauhaus zwei Biersorten der Hausbrauerei Altstadthof. Aber aus Bier lässt sich noch mehr machen, neben Bier-Brand z.B. auch ein Whisky. Für ihren Single Malt der Hausmarke AYRER’s hat die Hausbrauerei Altstadthof schon einige internationale Preise eingeheimst. Ich denke, nach meiner Rückkehr werde ich mir im Onlineshop ein Fläschchen Single Malt bestellen und meine eigene Verkostung machen.

Nach der Führung stand für mich ein sogenanntes Biermenü im „Bräustüberl Schwarzer Bauer“ der Hausbrauerei Altstadthof auf dem Programm. Das Bräustüberl war gerammelt voll und ich kämpfte mich zu meinem reservierten Tisch durch. Ich musste nicht lange warten und schon stand ein Teller mit zwei Scheiben Brot und Schmalz sowie einem weiteren Aufstrich vor mir. Dazu gab es ein Weißbier im 0,2 l-Krug. Ein guter Einstieg, mal schaun, ob das so gut weitergeht. Und tatsächlich ging es so gut weiter.

Willkommensgruß im Bräustüberl Schwarzer Bauer der Hausbrauerei Altstadthof, Nürnberg

Willkommensgruß im Bräustüberl Schwarzer Bauer der Hausbrauerei Altstadthof, Nürnberg

 

Es folgte eine Fränkische Kartoffelsuppe, an der ich mich hätte satt essen können, und als Hauptgang ein Bierbrauergulasch mit Spätzle, der wunderbar pikant abgeschmeckt war. Bei touristisch angehauchten Speiseangeboten bin ich ja immer etwas skeptisch, aber das war alles sehr lecker. Lediglich beim Dessert muss ich ein paar Abstriche machen. Der warme Apfelstrudel mit Vanillesauce hätte mir ohne die Sprühsahne wesentlich besser gefallen und der Vanillesauce habe ich nicht zugetraut, dass sie im Haus gemacht wurde.

Begleitet wurden die Speisen von Weiß-, Schwarz- und Rotbier sowie als Alternative zum Cognac von einem Bockbier-Brand der Hausbrauerei Altstadthof. Ein rundum gelungenes kulinarisches Erlebnis, das ich wärmstens empfehlen kann! Das Biermenü im Bild könnt ihr euch auf meinem Instagram-Account anschauen (Mai 2014).

Den Vormittag hatte ich für Museumsbesuche verplant. Auf dem Programm standen das Museum für Kommunikation und das DB Museum. Beide Museen sind räumlich verbunden und in einem Gebäude an der Lessingstraße nahe des Hauptbahnhofes untergebracht. Als ich wieder rauskam, stellte ich fest, dass sich mein Vormittag bis nach 15:00 Uhr hingezogen hatte. Die Exponate und Präsentationen in beiden Museen hatten mich tatsächlich so fasziniert, dass ich völlig die Zeit aus den Augen verloren hatte.

In beiden Museen gibt es Geschichte zum Anfassen. Man taucht ein in die eigene Vergangenheit und mehr als einmal stand ich schmunzelnd vor Exponaten, die mich an Erlebnisse in der Jugend erinnerten. In beiden Museen kann man aktiv werden und muss sich nicht nur auf das Anschauen beschränken. Mache z.b. den Test, ob du den Begriff „Medienkompetenz“ schneller im Fremdwörterbuch oder in der Suchmaschine recherchieren kannst (mein Ergebnis: Suchmaschine 12 Sekunden, Fremdwörterbuch 16 Sekunden) oder steige in den Führerstand einer schweren E-Lok; es gibt viele Möglichkeiten.

Für Kinder wird auch viel geboten. Besonders das KIBALA, kurz für Kinder-Bahnland, zaubert leuchtende Kinderaugen hervor. Highlights sind eine Fahrt mit der 5-Zoll-Bahn durch Tunnel, über Brücken und Bahnübergänge und die Erlebnisbereiche zum Spielen und Mitmachen, zum Verkleiden und Schaffnerspielen oder das Stellen der Signale.

Bilder sagen mehr als Worte, hier ein paar Impressionen meines Museumsbesuchs:

Wettrennen zwischen Fremdwörterbuch und Suchmaschine, Museum für Kommunikation, Nürnberg

Wettrennen zwischen Fremdwörterbuch und Suchmaschine, Museum für Kommunikation, Nürnberg

 

Wettrennen zwischen Fremdwörterbuch und Suchmaschine, Museum für Kommunikation, Nürnberg

Wettrennen zwischen Fremdwörterbuch und Suchmaschine, Museum für Kommunikation, Nürnberg

 

Zugverspätungen gab es schon immer, DB Museum Nürnberg

Zugverspätungen gab es schon immer, DB Museum Nürnberg

 

Großer Spaß für die Kleinen im Bahnmuseum, Nürnberg

Großer Spaß für die Kleinen bei der Fahrt mit der 5-Zoll-Bahn im Bahnmuseum, Nürnberg

 

DB Museum Nürnberg

DB Museum Nürnberg

 

DB Museum Nürnberg

DB Museum Nürnberg

 

Meine Kurzreise nach Nürnberg wurde von Tourismus Nürnberg unterstützt. Vielen Dank dafür. Meine Meinung wurde dadurch jedoch nicht beeinflusst.

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Wolfgang,

    deine Reiseberichte sind gewohnt amüsant, kurzweilig und auch lehrreich.
    Ich lese immer mit Begeisterung deine Tips obwohl ich das meiste wohl nie
    ausprobieren werde, aber es macht Spaß deine Reisen zu verfolgen.

    Liebe Grüße
    Biggi

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