Im Teutoburger Wald genießen

Nieheim, die Käsehauptstadt

Tag 1 meiner Genießerreise durch Nordrhein-Westfalen liegt hinter mir, Tag 2 beginnt turbulent. Nach dem Frühstück 20 km mit dem Rad im Eiltempo zum Bielefelder Bahnhof. Mit Rad rein in den Zug, umsteigen in Altenbeken, aussteigen in Brakel. Der Teutoburger Wald meint es gut mit mir und beschert mir super Radfahrwetter. Das habe ich auch nötig, denn in 45 Minuten erwartet mich mein nächster Gastgeber. Aber noch liegen 140 Höhenmeter und 17 km zwischen mir und dem Städtchen Nieheim. Aber ich bin gut drauf und rolle pünktlich in Nieheim ein.

Das Westfalen Culinarium

Vor dem Westfalen Culinarium erwartet mich Gerhard Schütze, seines Zeichens „Kulturlandführer“. Der heißt mich erst einmal herzlich willkommen und führt mich in den lichtdurchfluteten Speisesaal des Restaurants „Meilenstein“ im Westfalen Culinarium.

Die Nieheimer Platte wartet im Westfalen Culinarium

Die Nieheimer Platte wartet im Westfalen Culinarium

Nieheimer Platte, Westfalen Culinarium, Nieheim

Nieheimer Platte

Ich muss hungrig aussehen, denn Herr Schütze bittet gleich zu Tisch, wo mich eine formidable „Nieheimer Platte“ erwartet. Deftig Kräftiges aus Westfalen, von Wurst über Schinken bis zu Käse und Brot aus dem Steinbackofen. Pumpernickel darf natürlich nicht im Brotkorb fehlen. Das darf seit kurzem übrigens ein Schutzsiegel der Europäischen Union tragen, welches die Einmaligkeit des Westfälischen Pumpernickel als anerkannte regionale Spezialität kennzeichnet.

So schmeckt Westfalen!

Unter diesem Motto betreiben die Nieheimer ihr Westfalen Culinarium, vier Museen, in denen Genuss nach Westfalenart präsentiert wird.

So viele Museen in einer Stadt mit gerade mal gut 6.000 Einwohnern? „In Nieheim stimmt die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bürgern und es gibt ein großes ehrenamtliches Engagement.“, so die Erklärung von Gerhard Schütze. Schön, dass es das noch gibt.

Westfälisches Brotmuseum

Doch dann starten wir unsere Museumstour. Das Westfälische Brotmuseum ist die erste Anlaufstelle.

Westfälisches Brotmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Westfälisches Brotmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Neben vielen Schaustücken und Schautafeln um die Geschichte des Brotes erwartet den Besucher hier ein echtes Highlight: An Backtagen werden hier im größten Königswinterbackofen Ostwestfalens leckere Brote und Kuchen gebacken. Auch dies wird durch ehrenamtlichen Einsatz ermöglicht, in diesem Fall von vier Bäckermeistern, die im Wechsel ihre Freizeit hierfür opfern.

Westfälisches Brotmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Größter Königswinterbackofen Ostwestfalens

Westfälisches Brotmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Schaubacken im Westfälischen Brotmuseum

Westfälisches Schinkenmuseum

Nicht weit entfernt liegt das Haus des Westfälischen Schinkenmuseums. Das Schwein und der Schinken spielen hier die Hauptrollen.

Gerhard Schütze glänzte hier mit intimen Kenntnissen schweinischer Sprache.

Westfälisches Bier- und Schnapsmuseum

Was passt zu einer deftigen Schinkenmahlzeit? Richtig, ein kühles Bier und ein Kurzer. Auch die haben in Nieheim eine Heimat gefunden, nämlich im Westfälischen Bier- und Schnapsmuseum.

Westfälisches Bier- und Schnapsmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Westfälisches Bier- und Schnapsmuseum

Unglaublich, welche Vielzahl und Vielfalt an Ausstellungsstücken der Besucher hier vorfindet.

Westfälisches Bier- und Schnapsmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Bierfreund Thomas Mann

Wohl einzigartig dürfte die Möglichkeit sein, sich im Biermuseum das Ja-Wort zu geben. Eigens eine Außenstelle des Standesamtes hat man im Biermuseum eingerichtet. Nicht auf Stühlen, sondern auf Bierfässern sitzt das Brautpar bei der Zeremonie und nachher gibt’s keinen Schampus, sondern Bier. Wohlan Nieheimer, traut euch!

Glanzstück des Biermuseums ist sicher die kleine Brauerei unter Regie der Nieheimer Brauzunft, die die Nieheimer mit ihrem Nieheimer Bürgerbier versorgt. Nieheimer Bürger treffen sich regelmäßig, um gemeinsam in der kleinen Brauerei des Westfälischen Biermuseums ein feines Bier zu brauen. Das deutsche Reinheitsgebot von 1516 findet auch in Nieheim Anwendung und so werden beim Bierbrauen nur Wasser, Braugerste, Hopfen und Hefe benutzt. Heraus kommt ein bernsteinfarbiges, untergäriges und unfiltriertes Bier, welches im Geschmack dem Märzenbier ähnelt.

Westfälisches Bier- und Schnapsmuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Hier entsteht das Nieheimer Bürgerbier

Deutsches Käsemuseum

Was steht bei einem guten Essen am Schluss? Richtig, der Käse. Und am Schluss unseres musealen Rundgangs durch Nieheim steht folgerichtig auch das Deutsche Käsemuseum.

Deutsches Käsemuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Deutsches Käsemuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Hier im Herzstück des Westfalen Culinariums ist die Kasse für alle vier Museen und hier erhalten die Besucher auch die Nachbildung eines Nieheimer Käses, mit dem es seine ganz besondere Bewandnis hat. Im Innern ist ein elektronischer Chip eingebaut, der den Besuchern die Türen in den vier Museen öffnet.

Deutsches Käsemuseum im Westfalen Culinarium, Nieheim

Das elektronische Sesam öffne dich

Natürlich erfährst du hier auch ganz viel Wissenswertes über Käse und wie er gemacht wird. Hier habe ich auch den Nieheimer Käse, eine Nieheimer Spezialität, kennengelernt, die heute nur noch in zwei Nieheimer Käsereien produziert wird. Der Käse ist eiweißreich, dabei fettarm und sehr würzig im Geschmack. Ich habe ihn später sowohl kalt als auch warm (überbacken) probiert und muss sagen, dass ich begeistert vom Geschmack war!

Angebote für Gruppen ab 10 Teilnehmer

Wie wäre es mit einem Brauseminar oder einem Käserdiplom oder einer Genussreise durch Westfalen? Das alles könnt ihr in Gruppen ab 10 Teilnehmern im Westfalen Culinarium erleben. Einfach mal anrufen und ein außergewöhnliches Gruppenerlebnis genießen!

So viel zu den vier Museen des Westfalen Culinarium.

Infobox

Westfalen Culinarium, Lange Str. 12, 33039 Nieheim
Tel.:  +49 5274 8304
Internet: www.westfalen-culinarium.de

Saison hat das Westfalen Culinarium von April bis Oktober.
Geöffnet ist es von mittwochs – sonntags in der Zeit von 10 – 18 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr).

Und noch ein Museum

Ich nehme euch noch kurz mit auf einen Spaziergang durch Nieheim. Dabei schauen wir uns ein paar malerische Ecken an, ehe wir noch in ein weiteres Museum reinschauen.

Das Sackmuseum

Sackmuseum? Zuerst dachte ich, das sei ein Joke. Aber mit jedem neuen Ausstellungsstück, mit jeder neuen Hintergrundgeschichte stieg mein Interesse. Schaut mal rein, wenn ihr in Nieheim seid, ist gut gemacht!

Ehe ich Nieheim Tschüss sage, statte ich noch der Schaukäserei Menne, wo der Nieheimer Käse gemacht wird, einen Besuch ab. Thomas Menne nimmt sich netterweise die Zeit für eine Betriebsführung und weiht mich in die Geheimnisse der Herstellung des Nieheimer Käses ein.

Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Der Nieheimer Käse schmeckt toll. Die schlechte: Der Nieheimer Käse ist nur in der Region zu kaufen.

Offenlegung

Meine Reise wurde von Tourismus NRW e.V. unterstützt. Herzlichen Dank dafür. Meine hier niedergeschriebene Meinung wurde dadurch aber nicht beeinflusst.

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4 Kommentare

  1. Hallo Wolfgang Niederau, herzlichen Dank für die schöne, informative Berichtersttung. Als Heimatpfleger konnte ich vieles gut nachvollziehen. Weiterhin gute Fahrt und schöne Reiseberichte !

    • Hallo Ulrich,

      danke fürs Lob. Das kann ich nur zurück geben. Gute Arbeit macht ihr in Nieheim!

      Beste Grüße, Wolfgang

  2. Ich war vor 2 Jahren auch mit meiner Frau dort und es war richtig schön noch einmal einen so ausführlichen Bericht über die Region zu lesen. Da bekommt man direkt erneut Lust auf einen Besuch, besonders weit haben wir es zum Glück nicht!
    Vielen Dank für den schönen Bericht!
    LG,
    Christopher

    • Hallo Christopher, danke fürs Lob. Freut mich, wenn ich den tollen Eindruck in meinem Artikel gut rüberbringen konnte.

      Beste Grüße, Wolfgang

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