Die Wiedergeburt des deutschen Weins

Deutscher Winzernachwuchs - The next generation

Eine Motorradreise durch deutsche Weinanbaugebiete

Er war nie tot, der deutsche Wein, aber der sogenannte Glykolwein-Skandal aus dem Jahr 1985 hat der deutschen Weinwirtschaft seinerzeit großen Schaden zugefügt und das Image des deutschen Weins nachhaltig beschädigt. Dies, aber auch meine Vorliebe für Weine aus meinem Lieblingsreiseland Italien, waren die Gründe, dass ich deutsche Weine nur noch selten getrunken habe.

Für mich persönlich ist der deutsche Wein aber 2016 mit Verve auf die Bühne zurückgekehrt. Seit der Weinverkostung 2016 im Mercure Hotel Severinshof Köln City halte ich wieder gezielt nach guten Tropfen aus deutschen Anbaugebieten Ausschau und werde auch regelmäßig fündig. Ganz einfach, weil mich die bei der Verkostung präsentierten deutschen Weine schwer beeindruckt hatten und ich den zur Slow Food-Bewegung gehörenden Gedanken der Regionalität für unterstützenswert halte.

Deshalb stieß eine vom Deutschen Weininstitut angebotene Reise durch die Weinregionen Württemberg, Baden und Pfalz gleich auf mein Interesse. Als passionierter Motorradfahrer sprach mich auch die Aussicht an, tagsüber landschaftlich reizvolle Weinlandschaften mit dem Motorrad erkunden und abends die Tage bei einem guten Glas Wein und regionalen Speisen in idyllischen Winzerdörfern ausklingen lassen zu können. Das Sahnehäubchen: Unsere Gruppe von Motorradfahrern würde es mit motorradbegeisterten Winzern zu tun bekommen.

Wie es war, könnt ihr in dem Video am Ende des Artikels sehen.

Die Vortour durch den Odenwald

Am 29. Juni startete ich den Motor meiner BMW F 800 GS und steuerte unseren ersten Treffpunkt an, das 460 km entfernte Dreieich bei Frankfurt. Hier hatte ich mich mit einigen Teilnehmern der Reise verabredet, um am nächsten Morgen zusammen durch den schönen Odenwald zu unserem eigentlichen Startpunkt, dem Landgasthof Roger in Löwenstein, zu fahren.

Bestes Motorradwetter begleitete uns auf der Fahrt durch das Kurvenparadies Odenwald und so kamen wir abends gut gelaunt beim Landgasthof Roger an. Der Chef begrüßte uns gleich mit einem hellen Blonden und hielt die Stimmung hoch.

Empfang im Landgasthof Roger, Löwenstein

Empfang im Landgasthof Roger, Löwenstein

 

Lasset die Spiele beginnen

Schnell aufs Zimmer, duschen, umziehen und rein ins Vergnügen, so der Plan für den weiteren Abend.

Im Restaurantgarten wartete ein schöner Tisch auf uns und der Juniorchef hatte mit seiner Crew ein tolles Barbecue vorbereitet. Die Familie Zimmer (Vater, Mutter, Tochter, Winzer und Biker aus Überzeugung) hatte sich inzwischen zu uns gesellt und präsentierte Weine aus ihrem Betrieb, dem Weingut Walter Zimmer. Unser Tourguide, Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut, versorgte uns den Abend über mit interessanten Informationen zum deutschen Wein.

Der Reiseführer Genusstouren durch die deutschen Weinregionen aus der Reihe MERIAN live! von Claudia Weber tat ein Übriges, um unsere Reiselust zu steigern. Ein sehr schöner Reiseführer mit vielen Hintergrundinfos und gutem Kartenmaterial.

Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut präsentiert den Merian Reiseführer

Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut präsentiert den Merian Reiseführer

 

Biketouren, Sterneküche und Große Gewächse

Am nächsten Morgen begrüßte uns wieder die Sonne und nach einem kräftigen Frühstück holten uns die drei Zimmers mit ihren Bikes zu einer Tour durch die Löwensteiner Berge ins Remstal ab. Einfach großartig, diese Landschaft und die kurvigen Straßen ohne viel Autoverkehr! Und so war die Stimmung beim anschließenden Mittagessen im Weingut Walter Zimmer immer noch auf dem Höhepunkt.

Zu Gast auf dem Weingut Zimmer

Zu Gast auf dem Weingut Zimmer

 

Frau Zimmer zeigte uns nach dem Essen mal kurz, wie man eine Trial-Maschine bewegt und ein Kollege tat sein Bestes, um es ihr gleich zu tun. Schaut mal ins Video.

Schloss Neuweier in der Ortenau

Nun wartete eine Tour durch den Schwarzwald nach Baden in der Ortenau auf uns. Hier empfing uns auf seinem Weingut Schloss Neuweier der Vollblut-Winzer Robert Schätzle (ab Minute 2:30 im Video). Ich habe viel Neues erfahren und war echt begeistert und auch einigermaßen überrascht, wie qualitätsbewusst und innovativ hier am Niveau des deutschen Weins gearbeitet wird. Ein Eindruck, den ich übrigens schon bei den Gesprächen mit den Zimmers gewonnen hatte.

Zu Gast bei Robert Schätzle vom Weingut Schloss Neuweier

Zu Gast bei Robert Schätzle vom Weingut Schloss Neuweier

 

Gekrönt wurde der Tag mit einem Abendessen bei Sternekoch Armin Röttele, einem begeisterten Harley-Fahrer, in Röttele’s Restaurant & Residenz im Schloss Neuweier. Ein kulinarisches Erlebnis der Spitzenklasse, das mit Großen Gewächsen aus Robert Schätzles Weingut unterstrichen wurde. Ich war übrigens angenehm von den moderaten Preisen für die hohe Leistung überrascht.

Neue Kurven, neuer Wein

Am nächsten Morgen führte uns eine Tour durch die Südpfalz ins Weinhaus Fritz Walter in Niederhorbach, wo wir zum Mittagessen Bestes aus der Region genossen. Hier trafen wir uns mit weiteren motorradbegeisterten Winzern, die heute  den Tourguide für uns machen und ihre Betriebe präsentieren würden.

Auf unserer Tour durch den Pfälzer Wald nach St. Martin stoppten wir für eine Kaffeepause beim Winzer Christian Schneider im Consulat des Weins (Hotel, Restaurant, Vinothek) in St. Martin. Auch hier traf ich auf eine qualitätsorientierte, moderne Haltung zum deutschen Wein.

Ganz besonders angetan war ich vom zum Haus gehörenden Hotel. Moderne, komfortable Zimmer in toller Umgebung, dazu ein gepflegtes Restaurant und das zu so niedrigen Preisen, dass ich zweimal nachfragen musste.

Die Tour mit Winzer-Tourguide Hansjörg Rebholz und seinen beiden Söhnen machte uns weiterhin viel Spaß und bei Pausen an diversen Aussichtspunkten wurde das ein oder andere Benzingespräch geführt. Ich fand ja diese umgebaute Triumph äußerst reizvoll (im Bild unten links).

Zeit für Benzingespräche

Zeit für Benzingespräche

 

Ein würdiges Ende sollte dieser schöne Tag und unsere Reise im Weingut Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen finden, wohin uns Winzer Hansjörg Rebholz zum Grillen eingeladen hatte. Nach diversen Grillspezialitäten und feinen Weinen gab es quasi als Dessert auf Großleinwand das Viertelfinalspiel der Fußball EM Deutschland – Italien. Das Spiel endete mit einem Unentschieden (1:1). Ganz anders als Unentschieden stehe ich mittlerweile zum deutschen Wein. Der ist wieder eine feste Größe bei mir.

Und zum Schluss noch ein kurzes Video mit Eindrücken von dieser Reise.

Offenlegung

Zu dieser Recherche-Reise wurde ich vom Deutschen Weininstitut eingeladen. Vielen Dank dafür. Meine hier niedergeschriebene Meinung ist meine unbeeinflusste, ureigene.

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8 Kommentare

  1. Vor der Weinverkostung erst einmal ein Bierchen, richtig so 😉
    Ich bin leider kein Weintrinker und -kenner, aber eure Tour erinnert mich sehr an eine Whiskey-Verkostung, die ich mal mit gemacht habe. Man trifft immer so interessante und nette Leute. Das Video vermittelt auch einen schönen Eindruck. Alles in allem sieht es nach einem sehr gelungenen Tag aus 🙂

  2. Hallo Wolfgang, Weinverkostungsreise am Motorrad, eine gewagte Kombination. Ich trinke keinen Alkohol und fahre auch nicht Motorrad, aber die Gegend selber finde ich doch recht hübsch. Liebe Grüße, Claudia

    • Hallo Claudia,

      wenn man Alkohol und Fahren fein säuberlich trennt, ist das gar kein Problem. Und die Landschaft und die kulinarischen Höhepunkte kann man natürlich auf vielfältige Art und Weise der Fortbewegung genießen.

      Beste Grüße
      Wolfgang

  3. Hallo Wolfgang,

    du hast mich wirklich überrascht. Die Kombination Motorrad-Tour und Wein war mir bislang nicht in den Sinn gekommen. Eine Motorrad-Tour war bisher für mich immer nur mit Bier verbunden. Da habe ich wohl einem Vorurteil aufgesessen. Ich finde eure Runde unheimlich sympathisch. Man sieht wieviel Spaß ihr hattet! Weiter so – genießt das Leben!
    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Danke, Sabine. Spaß hatten wir in der Tat jede Menge. Btw., es gab auch mal ein Bierchen 😉 .

      Beste Grüße
      Wolfgang

  4. Hallo Wolfgang,

    also die Motorradtour würde mir sicherlich auch gefallen – durch Weinberge und Dörfer zu cruisen stelle ich mir toll vor. Wobei ich wohl eher in einer kleineren Gruppe unterwegs wäre, aber das ist ja Geschmackssache. Den einen oder anderen Wein würde ich dabei wohl auch mal kosten, auch wenn ich nicht so der Weingourmet bin. Aber schön zu hören, dass du dank der Tour wieder eine bessere Verbindung zum deutschen Wein hast. Man spürt förmlich beim Lesen, wie sehr du die Zeit unterwegs genossen und wie viel Spaß du hattest.

    Lieber Gruß,
    Bine

  5. Hallo Wolfgang,

    ich halte es da ähnlich wie du und mag am liebsten gute Italiener. Vom Wein meiner Heimat Württemberg kriege ich die letzten Jahre leider Kopfschmerzen. (Nein, das liegt nicht an der Menge 😉 sondern an Sulfiten.) Die badischen vertrage ich besser. Und ich finde auch, dass der deutsche Wein sich die letzten Jahre gut entwickelt hat.

    Meine letzte Motorradtour ist sehr sehr lange her, aber Deine Erfahrungen und die super Bilder machen Lust darauf, doch mal wieder drüber nach zu denken.

    Viele Grüße
    Barbara

  6. Hallo Wolfgang,
    da wart Ihr ja quasi bei mir um die Ecke, die Ortenau ist nur einen Katzensprung entfernt. Ich sollte da irgendwie öfter mal hinfahren.

    Sieht aus als ob Ihr eine tolle Tour mit jeder Menge Spaß hattet. Bin zwar keine Weinkennerin (eher so die Fraktion „schmeckt mir / schmeckt mir nicht“) und mag meist auch eher Weine aus dem Süden, aber so eine Weinverkostung hat natürlich was. Noch dazu die schöne Landschaft mit den Weinbergen…
    Liebe Grüße,
    Marion

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